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Nach
fast 14-tägiger Pause ging es am Samstag wieder in den Schnitt
- allerdings ohne mich. Ich war beruflich anderweitig eingebunden, und
leider wird das dieses Jahr Samstags noch oft der Fall sein. Am Sonntag
musste ich mir erzählen lassen, was ich verpasst hatte. Eine
"Archäologie AG" des braunschweiger Wilhelm-Gymnasiums hatte
uns besucht. Immerhin sehen auch die Lehrpläne für
Niedersachsen noch ein ganz wenig Vorgeschichte in Klasse 5 vor. Ich
halte es für sehr sinnvoll, dass die Schüler
sich mal ansehen, wo denn die Behauptungen in den
Schulbüchern herkommen - oder zumindest herkommen sollten. Aber zu
"Vorgeschichte im Unterricht"
werde ich vielleicht später eine gesonderte Seite schreiben.
Wolfgang Marienfeld: Ur-
und Frühgeschichte im gegenwärtigen Schulbuch, in:
Die KUNDE 45 / 1994, S.221-242. (Sicher hat sich da in den
vergangenen Jahren einiges getan, ich befürchte
bloß, es hat sich nur wenig gebessert. Ich werde mich damit
aber nochmal eingehender befassen.)
Am Sonntag zeigte mir Liane eine wirklich "schöne Scherbe",
die Jutta am vorherigen Tag im "Innenraum", ca. 2m nördlich
der Holzbalkenkonstruktion gefunden hatte.
Die Scherbe ist flächendeckend mit
Fingernageleindrücken verziert. Diese Verzierung ist
ungewöhnlich.
Gefäße mit ähnlicher Verzierung werden
unter dem Begriff
"Kalenderbergkeramik" zusammengefasst. (→ Vgl.
einen Fund aus dem
vergangenen Jahr.)
Dieses Stück, um
Missverständnissen vorzubeugen, verweist wohl nicht auf
Beziehungen zur früheisenzeitlichen Hallstadtkultur in
Niederöstereich, sondern eher in die entgegengesetzte
Richtung. Nach meinem laienhaften Verständnis finden sich
solche Verzierungen in unserer Region oftmals auf einem
Gefäßtyp, der als "Lappenschale" bezeichnet wird.
Diese "Lappenschalen" gehen möglicher Weise auf
verstärkte Kulturimpulse aus dem Norden am Ende der Periode
IV zurück. Lappenschalen aus datierbaren
Fundzusammenhängen in unserer Region werden in Periode
IV/spät und Periode V gestellt. Die Schicht, aus der
der Fund stammt, datieren wir vorläufig um einiges
später. Die bereits deutlich abgerundeten Bruchkanten dieser
Scherbe, nicht aber anderer Scherben aus der gleichen Schicht, sprechen
dafür, dass es sich hier um ein mehrfach umgelagertes Objekt
handelt. Das macht sehr unwahrscheinlich, dass wir weitere Scherben des
gleichen Gefäßes finden. Schade - denn die eine
Scherbe macht natürlich noch keine Lappenschale.
Immo Heske:
Jungbronzezeitliche Lappenschalen im östlichen Braunschweiger
Land, in: NAFN 23 / 2002, S.103-124.
Im
vergangenen Winter hat sich in meinem Hinterkopf die Idee von gewissen
kulturellen Umbrüchen - und damit erzählbarer Geschichte
- in Periode V (Späte Bronzezeit) festgesetzt. Das wurde
inspiriert
durch Andeutungen in Immo Heskes Dissertation "Die Hünenburg
bei
Watenstedt usw." ( Neumünster 2006 - ein "MUST" für
die Beschäftigung
mit der jüngeren Bronze-/ frühen Eisenzeit). Die
Auswertung unserer
Funde und Befunde des vergangenen Jahres durch Wolf-Dieter Steinmetz
spricht für einen Hiatus (Siedlungsunterbrechung) in P V. Das
würde mir
gut ins Bild passen, falls es sich bestätigt. Wenn wir diese
Lücke noch
schließen können, werde ich auch nicht böse
sein. Die Frage ist: Mit
welchem Material? Von Isingerode dürfen wir in jedem Fall
einen
wichtigen Beitrag zur Rekonstruktion der Zeit um vor etwa 3000 Jahre
erwarten.
← Ein weiterer Fund (Reinhard) aus der Ascheschicht im
Innenraum: Scherbe mit "Kreuzstrich".
An der tiefsten Stelle unseres Schnittes im inneren
Graben auf
mittlerweile 2 m 70 Tiefe unter der heutigen Oberfläche
zeichnet
sich der Boden der dunkel-lehmigen, mutmaßlich
späteisenzeitlich / frühkaiserzeitlichen
Verfüllung ab.
Dort fand sich nicht der scherzhaft gewünschte tote
Römer.
Immerhin lagen dort mehrere Knochen in einem Erhaltungszustand, der
vielleicht eine Bestimmung des Tieres erlaubt, zu dem sie
gehört
haben. Noch darunter, in einer Schicht aus ganz anderem Material
(grober Kies), kamen dann wieder Scherben zu Tage. Darunter war eine
Bodenscherbe mit mehreren besonderen Merkmalen. Leider habe ich dazu
kein Foto. Der Boden der Scherbe war von der aufsteigenden
Gefäßwand deutlich abgesetzt und an der
Außenkante mit
Eindücken versehen. Wenn man den Boden also von unten
betrachtet,
sieht er nicht wie ein Kreis, sondern eher wie ein Zahnrad aus. Nach
erstem Augenschein ordnet unser Grabungsleiter diesen Fund nicht in die
späte Eisenzeit ein. Wie tief wird es hier noch weiter gehen?
Wir
benötigen dringend zwei Leitern...
Ich selbst machte mich am Sonntag auf, dem Übergang zwischen
innerem Graben und "Wallbereich" zu Leibe zu rücken. Um 17 Uhr
setzte ein heftiger Schauer ein, der uns aus dem Schnitt
flüchten ließ. Die nördliche Wand des
Bereichs, in dem ich gearbeitet hatte, bestand vollständig aus
lockerem Kies und rutschte durch den Regen einfach ab (siehe Foto
unten). Abgesehen davon, dass ich gerade einen neuen Abtrag begonnen
hatte, der nun verschüttet war, wollen wir dem trotzdem eine
positive Erkenntnis abgewinnen. Die bis zu einem Meter
mächtige Kiesschicht fällt zum Graben hin steil ab.
Über ihr liegt eine bis zu 20 cm mächtige, helle
Lehmschicht. Es ist nun wohl anzunehmen, dass es sich bei letzterer um
einen Auftrag zur Sicherung der Böschung handelt!
Während die dunkel-humose Grabenverfüllung oberhalb
dieser Lehmschicht immer wieder Funde der späten Eisenzeit /
frühen Kaiserzeit erbrachten, gilt das nicht für die
Funde darunter. Eine größere Randscherbe, die ich in
ca. 1,70 m Tiefe unter der heutigen Oberfläche direkt unter
der besagten Lehmschicht fand, sah in keiner Weise nach später
Eisenzeit aus. Eine weitere Scherbe von direkt über dieser
Lehmschicht weist leider keine charakteristischen Merkmale auf.
Die Lehmschicht, die mir bereits im vergangenen Jahr
Kopfzerbrechen bereitet hatte, ist aber definitiv ein
künstlicher Auftrag. Sie trennt späteisenzeitliche
Funde von früheisenzeitlichen / bronzezeitlichen. Bleibt die
Frage, in welchen von beiden Epochen sie aufgebracht wurde. Im
Wallbereich, wo am Sonntag Liane und Hugo arbeiteten, deutet sich an,
dass es mehrere solche Lehmaufträge über
Kiesschotterschichten gibt. GEDULD! Schon nächste Woche werden
wir etwas klüger sein. Wann aber werden wir das alles wirklich
verstehen?
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Am
Pfingstmontag herrschte ein ungemütlicher Dauerregen, sodass
wir
(nur Michael, Uwe, Wolf-Dieter und ich waren gekommen) nicht in den
Schnitt gingen. Sollte es einen feuchten Sommer geben, werden wir uns
eine Art Grabungszelt bauen müssen. Aber ich habe da schon
eine
leicht und kostengünstig umzusetzende Idee.
In allen Bereichen unseres Schnittes bleibt es spannnend. Nirgendwo,
sieht man von einem wenige Meter breiten Streifen zwischen innerem un
äußerem Graben ab, ist der gewachsene Boden
erreicht.
Am kommenden Wochenende werde ich nur kurz auf der Grabung sein
können. Aber wenn es etwas Berichtenswertes gibt,
wird es
bald hier zu lesen sein.
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