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Lothars kleines Grabungstagebuch 2007
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
4. Folge: 28.April bis 1. Mai, 5./6. und 12./13. Mai

Zu knapp war meine Zeit in den vergangenen Wochen, um an dieser Stelle regelmäßig weiter zu berichten. Deshalb schreibe ich hier aus meinen Notizen und aus der Erinnerung einen Überblick zusammen.

Im Grunde genommen arbeiten wir weiterhin in einem einzigen, langen Schnitt. Der allerdings zerfällt in sehr unterschiedliche Abschnitte. Diese möchte ich, von Süden (auch: "außen" oder "unten", da wir an einem Südhang arbeiten) nach Norden (bzw. "innen" oder "oben") folgendermaßen beschreiben:
1. "Der äußere Graben". Dieser ist uns erst durch die Auswertung von Luftbildern und geophysikalischen Messungen Mitte letzten Jahres bekannt geworden. Mit der Erweiterung des Schnittes nach Süden können wir ihn nun auch ergraben.
2. "Der innere Graben". 
3. Der Übergang vom "Wallbereich" zum "inneren Graben".
4. Der "Wallbereich".
5. Die Holzkonstruktion und nördlich davon mutmaßlich der beginnende Innenraum der Siedlung.

1. Im "äußeren Graben" hat sich inzwischen viel getan. Schon beim Abtiefen war eine Grenze im Boden erkennbar, die eine  fundleere Fläche aus gelbem Kies einem fundreichen, graubraunen Streifen trennt. Hier hat vor allem Michael gearbeitet, mit wechselnder Unterstützung durch Hubertus, Dieter, Herrn Ackermann und Herrn Krätzschmar. Im Bereich der Grabenverfüllung sprangen die Scherben nur so aus dem Boden. An einem einzigen Samstagvormittag machte Michael siebzig Scherbenfunde. An zwei Stellen lagen so viele Scherben gleicher Machart dicht beieinander, dass sich hier wenn nicht vollständige Gefäße, so doch hoffentlich annähernd vollständige Gefäßprofile rekonstruieren lassen werden. Eine große Randscherbe sah verdächtig nach dem Bruchstück einer Schale aus, wie sie als Deckschalen von Urnengräbern Verwendung fanden. Weitere Hinweise auf ein zerstörtes Urnengrab konnten bisher nicht erkannt werden. Auch erwarten wir im unmittelbaren Vorfeld der Befestigungslinie bzw. am Rand des Grabens keine Bestattungen. Aber man ist ja nie vor Überraschungen sicher. (Leider habe ich keine Fotos der Funde.)
Am Sonntag den 13. Mai konnten Michael und ich dann zum erstenmal ein Planum in diesem Abschnitt putzen. Das Ergebnis war in sofern überraschend, als die Grabenverfüllung nicht als homogener Streifen erschien, sondern deutlich differenzierter. 

↑ Geputztes Planum im Abschnitt "äußerer Graben"

↑ ...näher...
.

↑ ...noch näher, perspektivisch entzerrt, Farbe und Kontrast bearbeitet.

Es sei bemerkt, dass es nach dem 6. Mai endlich geregnet hatte, was die Arbeit erheblich erleichtert. Am Wochenende (12./13.05.) blieben wir - bis auf einen kurzen, heftigen Hagelschauer - von ernsten Niederschlägen verschont. Merkwürdiger Weise setzte am Samstag (12.) der Regen immer genau dann ein, wenn unser Grabungsleiter das Zeichenbrett auspackte. 

Eine Ausgrabung ist kein Wunschkonzert, erst recht nicht, was das Wetter angeht. Wenn wir uns das Wetter wünschen könnten, so sollte jeweils nachts ein leichter Regen niedergehen, während es tags heiter bis wolkig sein darf. Für das Fotografieren ist übrigens nicht Sonnenschein, sondern ein gleichmäßig bedeckter Himmel optimal. 

← Das Wasser steht im Schnitt. So sah es aber nur kurz nach dem Schauer aus. Zuviel Wasser ist natürlich genauso übel, wie zu wenig.

2. Im vergangenen Jahr hatten wir den Schnitt im Bereich des "inneren Grabens" nur auf halber Breite bis etwa 2 m 50 Tiefe untersucht. Nun ist die andere Hälfte dran. Darum haben sich an den vergangenen Wochenenden besonders Bärbel und der unermüdliche Achim Scheffler verdient gemacht. Das Fundaufkommen war eher gering, und leider waren keine so aussagekräftigen Funde dabei, wie die in der letzten Folge beschriebenen. Diese stammten übrigens nicht mitten aus dem Graben, sondern aus dem äußeren Randbereich. Hier machte Bärbel nun auch den ersten "Metallfund" der Saison: Einen undefinierbaren Rostkrümel von zweieinhalb Zentimetern Länge. Immerhin: Wir übersehen nichts. Und vielleicht kann der Restaurator mit dem Röntgengerät sogar noch erkennen, was das mal war. Vielleicht auch nicht. 
Bärbel begann auch damit, im tiefen Teil des Schnittes auf 2 m 70 (unter heutiger Oberfläche) zu gehen. Was soll ich sagen: Damit ist die Sohle des Grabens immer noch nicht erreicht.

Zwischenbemerkung:
Einige Ausgräber in Deutschland haben mit Recht eine höllische Angst vor Raubgräbern mit Metallsuchgeräten, die ihnen die Befunde zerpflügen. Der Weihnachtsmann brachte meiner Tochter Jasmin den Jugendroman "Die Raubgräber" (Stadtgrabung - frühmittelalterliches Gräberfeld), der dieses Problem thematisiert. An unserer Grabung hätten solche "Schatzsucher" wenig Freude. Regelmäßig besucht uns Andreas von der Archäologischen Arbeitgemeinschaft Salzgitter. Er ist dort ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, verfügt über mehr als zehn Jahre Grabungserfahrung - und ein hochwertiges Metallsuchgerät. Vielleicht wäre es nett, wenn er bei uns damit drei Himmelsscheiben, fünf Nipperwiese-Schilde, sieben Möhringen-Schwerter und neun Lugdunum-Asse aufgespürt hätte. Die einzig aussagekräftigen Metallfunde aber bleiben einige Einbecker-Kronkorken auf der Abraumhalde, die vom Durst der Ausgräber zeugen, und unzweifelhaft in die westeuropäische späte Industrie- / frühe Postindustriekultur datieren. Gern sage ich zum Scherz: "Auf der Sohle des 'germanischen Grabens' liegt ein toter römischer Legionär mit vollständiger 'Segmentata'!" Aber wir wären schon glücklich, dort eine einzelne Scherbe mit Rollrädchenmuster zu finden.

3. Im Übergangsbereich zwischen "Wall" und "innerem Graben" ist weiterhin einiges unklar. Das liegt daran, dass wir erst spät im vergangenen Jahr erkannt hatten, dass dieser Graben wohl mehrphasig ist. Eine Lehmschicht begrenzte für uns die Grabenverfüllung nach unten. Im "Wallbereich" liegen aber unter dieser Lehmschicht mehrere Brandschichten und fundführende Schichten. Mit Worten ist die Situation schwer zu beschreiben. Ich mache bei Gelegenheit mal eine Skizze, um sie den Lesern dieser Seite zu veranschaulichen. An einem Sonntagnachmittag nahmen sich die drei Steinmetzsöhne Holger, Thorben und Malte der Sache an. (Wolf-Dieter Steinmetz: "Es ist oft von Vorteil, viele Söhne zu haben.") Holger ist einigermaßen regelmäßig auf unserer Grabung und gilt als unser Spezialist für "schweres Gerät" (Bauwagentransport, Stromgenerator u.ä.). Mit Thorben hatte ich viele Sommerwochenenden 2005 in Watenstedt gegraben, bevor es ihn beruflich nach Süddeutschland verschlug. Die drei sind eine gute Verstärkung für das Team, und zumindest Holger und Thorben dürften mehr Grabungstage auf dem Buckel haben als ich. Sie bewegten einiges an Erde, machten auch ein paar Funde, aber von der Klärung der Überganssituation sind wir leider weiterhin ein paar Kubikmeter entfernt.

FORTSETZUNG FOLGT IN KÜRZE.   

↑ Uwe, Lothar und Hubertus als "Putzkolonne" im "Wallbereich.
(Foto: Bärbel-Regine Steinmetz)

↑ Die langen Schatten der Ausräber.
(Na - wen sehen wir hier?)

↑ Johanna Jasmin
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↑ Werner entdeckt ein Steinpflaster (unten rechts).

↑ Ausgraben: Eine sehr "bodenverbundene" Tätigkeit. Es sieht bequemer aus, als es ist.

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