|
Am Samstag konnte ich aus beruflichen Gründen
nicht auf der Grabung sein. Michael berichtete mir, dass es wohl gut
voran
ging, aber keine spektakulären Neuigkeiten gab.
Am Sonntag ging es wieder hinaus in die Landschaft, in
den Sommer (nur dem Kalender nach ist es noch April), in den Schnitt.

← Für
das Bild verpflichtete ich den nicht
ganz neun Jahre alten Lennart als Fotografen.
Ich verbrachte den Tag wieder mit
dem Freilegen von Holzbalken. Eine mühselige, aber
vielversprechende Arbeit. Erwähnte ich letzte Woche bereits,
dass der ausgetrocknete Boden z.T. härter ist, als die
brüchige Keramik, so gilt dies natürlich noch in
höherem Maße für die Holzkohle. Unsere
Hoffnung ist hier einerseits, erkennen zu können, welcher Art
diese Holzkonstruktion war. Andererseits (und da werde ich immer
optimistischer) könnte man an einem ausreichend dicken, gut
erhaltenen Holzbalken eine dendrochronologische Datierung
durchführen lassen. Diese ist zwar nicht ganz billig, liefert
aber im Idealfall aufs Jahr genaue Werte.
Grob erklärt
werden bei dieser Methode die Abstände
der Jahrringe von Hölzern gemessen. Wetterbedingt sind diese
für einige Jahre dicker, für andere schmaler. So
ergibt sich aus der Abfolge von mehr oder weniger dicken Jahrringen ein
Muster, eine Kurve, die mit der bekannten Jahrringkurve verglichen
werden kann. Hier muss dann nur ein Abschnitt gesucht werden, der eine
hinreichend große Übereinstimmung bietet, dann kann
man sagen, in welchen Jahren der Baum gewachsen ist, bei Erhaltung bis
zur Rinde sogar, in welchem Jahr exakt der Baum geschlagen wurde!
Bei meiner Arbeit stieß ich auf eine Randscherbe, die sehr
merkwürdig verziert war. Etwa zwei Zentimeter unterhalb des
einfachen Randes verlief eine Doppelreihe dreieckiger bzw.
rautenförmiger, flacher Einstiche. Nun, ich bin immer noch ein
Anfänger, aber ich habe mir in den letzten zweieinhalb Jahren
doch einige bronze- und eisenzeitliche Keramik sehr genau angesehen.
Soetwas war bisher nicht dabei. Sie wirkte gewissermaßen
"fremd". Die Scherbe befand sich aber nun ausgerechnet mitten in einer
typischen, ca. 8 cm durchmessenden humosen Verfärbung in sonst
aus Asche, Holzkohle und Brandlehm bestehenden Umfeld: Einem Tiergang.
Sie muss also zunächst mal garnichts mit unserer
Holzkonstruktion zu tun haben. Mal sehen, was der "Chef" noch dazu
sagt.
Letzte
Woche machte ich ein paar Bemerkungen zum Fund einer
"schönen Scherbe". Die vergangenen drei Grabungstage hatten
uns keine "schöne Scherbe" beschert. Gut. Am unteren,
südlichen Ende des Schnittes wird der
äußere Graben immer besser erkennbar, und am oberen
Ende haben wir die verkohlten Balken.
Im inneren Graben aber, dessen
Aufbau aus dem vergangenen Jahr ja schon weitgehend bekannt war, geht
es tatsächlich darum, "die schöne Scherbe" zu finden:
Wir brauchen hier einfach mehr datierbares Material, und da kam in
letzter Zeit nichts. Geduld war gefragt - und sie wurde an diesem
Sonntag belohnt. Bärbel fand hier ein Stück,
dessen verdickter Rand winklig abgestrichen war. Man nennt das
"facettiert" - und das gilt als charakteristisch für die
Späte Eisenzeit / Frühe Kaiserzeit. Genau das hatten
wir hier erhofft. "Klassisch" wäre für diese Epoche
allerdings ein fünfkantig abgestrichener Rand, so wurde
schnell gefachsimpelt, da wäre die Datierung noch sicherer.
Und was passierte? Wie auf Bestellung fand Bärbel an gleicher
Stelle wenige Minuten später eine weitere
Randscherbe.
Die
kleine Scherbe weist weitere Merkmale auf, so dass man aus ihr fast das
vollständige Gefäß rekonstruieren kann. Ein
absoluter
Glückstreffer.
Die Funde stammen aus den Verfüllschichten des Grabens, ca.
1,20m
unter heutiger Oberfläche. Sie bestätigen die
Beobachtungen
des vergangenen Jahres. Noch besser, wenn wir ähnlich gut
datierbare Funde auf der Sohle des Grabens machen könnten.
Intern verleihen wir den Ehrentitel "Scherbenschwein" (analog zu
"Trüffelschwein") des Tages . An diesem Tag ging er
unbestritten
an unsere Vereinsvorsitzende.
|