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Lothars kleines Grabungstagebuch 2007
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
3. Folge: 21. und 22. April

Am Samstag konnte ich aus beruflichen Gründen nicht auf der Grabung sein. Michael berichtete mir, dass es wohl gut voran ging, aber keine spektakulären Neuigkeiten gab.

Am Sonntag ging es wieder hinaus in die Landschaft, in den Sommer (nur dem Kalender nach ist es noch April), in den Schnitt.

Für das Bild verpflichtete ich den nicht ganz neun Jahre alten Lennart als Fotografen.

Ich  verbrachte den Tag wieder mit dem Freilegen von Holzbalken. Eine mühselige, aber vielversprechende Arbeit. Erwähnte ich letzte Woche bereits, dass der ausgetrocknete Boden z.T. härter ist, als die brüchige Keramik, so gilt dies natürlich noch in höherem Maße für die Holzkohle. Unsere Hoffnung ist hier einerseits, erkennen zu können, welcher Art diese Holzkonstruktion war. Andererseits (und da werde ich immer optimistischer) könnte man an einem ausreichend dicken, gut erhaltenen Holzbalken eine dendrochronologische Datierung durchführen lassen. Diese ist zwar nicht ganz billig, liefert aber im Idealfall aufs Jahr genaue Werte.
Grob erklärt werden bei dieser Methode die Abstände der Jahrringe von Hölzern gemessen. Wetterbedingt sind diese für einige Jahre dicker, für andere schmaler. So ergibt sich aus der Abfolge von mehr oder weniger dicken Jahrringen ein Muster, eine Kurve, die mit der bekannten Jahrringkurve verglichen werden kann. Hier muss dann nur ein Abschnitt gesucht werden, der eine hinreichend große Übereinstimmung bietet, dann kann man sagen, in welchen Jahren der Baum gewachsen ist, bei Erhaltung bis zur Rinde sogar, in welchem Jahr exakt der Baum geschlagen wurde!
Bei meiner Arbeit stieß ich auf eine Randscherbe, die sehr merkwürdig verziert war. Etwa zwei Zentimeter unterhalb des einfachen Randes verlief eine Doppelreihe dreieckiger bzw. rautenförmiger, flacher Einstiche. Nun, ich bin immer noch ein Anfänger, aber ich habe mir in den letzten zweieinhalb Jahren doch einige bronze- und eisenzeitliche Keramik sehr genau angesehen. Soetwas war bisher nicht dabei. Sie wirkte gewissermaßen "fremd". Die Scherbe befand sich aber nun ausgerechnet mitten in einer typischen, ca. 8 cm durchmessenden humosen Verfärbung in sonst aus Asche, Holzkohle und Brandlehm bestehenden Umfeld: Einem Tiergang. Sie muss also zunächst mal garnichts mit unserer Holzkonstruktion zu tun haben. Mal sehen, was der "Chef" noch dazu sagt. 

Letzte Woche machte ich ein paar Bemerkungen zum Fund einer "schönen Scherbe". Die vergangenen drei Grabungstage hatten uns keine "schöne Scherbe" beschert. Gut. Am unteren, südlichen Ende des Schnittes wird der äußere Graben immer besser erkennbar, und am oberen Ende haben wir die verkohlten Balken.
Im inneren Graben aber, dessen Aufbau aus dem vergangenen Jahr ja schon weitgehend bekannt war, geht es tatsächlich darum, "die schöne Scherbe" zu finden: Wir brauchen hier einfach mehr datierbares Material, und da kam in letzter Zeit nichts. Geduld war gefragt - und sie wurde an diesem Sonntag belohnt. Bärbel fand hier ein Stück, dessen verdickter Rand winklig abgestrichen war. Man nennt das "facettiert" - und das gilt als charakteristisch für die Späte Eisenzeit / Frühe Kaiserzeit. Genau das hatten wir hier erhofft. "Klassisch" wäre für diese Epoche allerdings ein fünfkantig abgestrichener Rand, so wurde schnell gefachsimpelt, da wäre die Datierung noch sicherer.
Und was passierte? Wie auf Bestellung fand Bärbel an gleicher Stelle wenige Minuten später  eine weitere Randscherbe.
Die kleine Scherbe weist weitere Merkmale auf, so dass man aus ihr fast das vollständige Gefäß rekonstruieren kann. Ein absoluter Glückstreffer.
Die Funde stammen aus den Verfüllschichten des Grabens, ca. 1,20m unter heutiger Oberfläche. Sie bestätigen die Beobachtungen des vergangenen Jahres. Noch besser, wenn wir ähnlich gut datierbare Funde auf der Sohle des Grabens machen könnten.
Intern verleihen wir den Ehrentitel "Scherbenschwein" (analog zu "Trüffelschwein") des Tages . An diesem Tag ging er unbestritten an unsere Vereinsvorsitzende.

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