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Lothars kleines Grabungstagebuch 2007
2. Folge: 14. und 15. April


Der Fund einer "schönen Scherbe" ist für jeden ehrenamtlichen Grabungshelfer Freude und Motivation. Abgesehen davon, dass der Samstag nur "Pöksel-Scherben" erbrachte und der Sonntag nicht viel besser war, liegt der Knackpunkt aber ganz woanders. Die "schöne Scherbe" hat nur Bedeutung, weil sie viellleicht einen Befund oder eine Schicht  datiert. Der Stratigraphie (Schichtenfolge) gilt unser eigendliches Augenmerk. Diese Schichtenfolge zeigt sich am besten im Profil - also ganz populär gesprochen: in der Seitenwand des Loches (Schnittes), das wir graben. Bevor wir ein durchgängiges Profil unseres inzwischen 45m langen Schnittes gewinnen  können, müssen wir noch SEHR viel Arbeit investieren. 
Das Problem ist aus dem vergangenen Jahr bekannt: Große und kleine Kieselsteine gehen in manchen Abschnitten des Schnittes eine üble Mischung mit lehmigem Boden ein. Wenn das Ganze austrocknet, ist es fast so hart, wie Beton. Um diesen Boden abzutiefen, muss man die Kelle "kräftig" führen. Spaten und Schaufel versagen sowieso. Der Boden ist aber ausgetrocknet fast härter, als das Material der "schönen Scherbe", die ja vielleicht datierende Merkmale besitzt. Wenn wir diese nicht "zerschrapeln" wollen, müssen wir einerseits mit Kraft, andererseits aber äußerst vorsichtig vorgehen. Also kommen wir nur sehr langsam voran. Ich hoffe, dass meine Mitstreiter die nötige GEDULD (Leitmotiv) aufbringen, und bei der Stange bleiben, auch wenn wir einmal nicht die "schöne Scherbe" finden.

Ich selbst verbrachte den ganzen Sonntag damit, ein verkohltes Stück Holz freizupräparieren. Flächenmäßig habe ich also kaum einen Viertelquadratmeter bearbeitet. Eine mühselige Arbeit. Aber es sieht so aus, als könnten wir hier wirklich eine Verlängrung der Balkenstruktur, die wir im letzten Jahr fanden, sichtbar machen. Holger, der schon 1998 bei der ersten Hünenburgkampagne dabei war, meinte übrigens, das sähe doch der Struktur sehr ähnlich, die sie damals unter dem inneren Wallfuß freigelegt hätten.

Bei der vielen Holzkohle, die wir finden, wäre wohl auch eine 14C Datierung interessant. Ich habe mich im Internet schlau gemacht. Die Datierung einer Probe kostet 400 €. Bei der hohen Messfehlerquote von 14C-Datierungen ist aber ein einzelnes Datum ohne Aussagekraft. Wir haben vier Brandhorizonte, plus der großartigen Holzbalkenkonstruktion, deren stratigrafische Zuordnung noch nicht ganz klar ist. Für eine brauchbare Aussage sind wir damit bei 15 Proben oder 6000 €. Das entspricht für mich fast einem halben Jahresgehalt, einem guten Gebrauchtwagen, oder einer richtig guten Fotostudioausrüstung. Aus Sicht der "Freunde der Archäologie" sind wir damit fast beim Gegenwert einer Tachymeter-Totalstation (Laservermessungsgerät). Ohne einen potenten Sponsor ist das nicht finanzierbar. 

Zusammenfassung:

Äußere Bedingungen:
Sonnenschein, bis 25° (leichter Sonnenbrand...): Flächen trocknen rasch aus, Boden wird hart, Befunde schlechter erkennbar.
Team:
Wolf-Dieter Steinmetz ("Chef");
(alphabethisch:)
Samstag: Bärbel, Gudrun, Ingetraud, Hubertus, Lothar, Michael, Uwe, Wolfram.
Sonntag: Bärbel, Dieter, Gabi, Gudrun, Holger, Hubertus, Lennart, Lothar, Malte, Michael, Uwe, Werner, Wolfram.

Funde:
Keramik: - keine gut datierbaren Stücke - Wenigstens hatte ich zwei Bodenstücke dabei. Am Sonntag kamen bei Gabi, Hubertus und Lennart in völlig verschiedenen Abschnitten dann noch Scherben, deren besondere Merkmale am ehesten nach früher Eisenzeit aussahen.
Feuerstein, Knochen (großer "Wolfram-Knochen"), Brandlehm, Holzkohle.
Beobachtungen:
Zunehmend Holzkohle in Fläche A, begleitet von einer Schicht hellweißen, pulverigen Materials (Asche?). Verkohlter Holzbalken.
Profile etwa in der Mitte des Schittes B lassen klare Stratigraphie erkennen:  steil abfallende Schichten, Lehmschicht, vier Brandschichten.
Versorgung:
Kaffee, Bier, Rotwein, Gegrilltes, Schokokeks, Bärlauchquark u.v.a.m..

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