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Ausgrabung Burgwall Isingerode - Kampagne 2007
Lothars kleines Grabungstagebuch

In der Archäologie ist oft GEDULD gefragt. Mehr als fünf Monate mussten die Mitglieder des Ausgrabungsteams der "Freunde der Archäologie im Braunschweiger Land" warten, bis sie wieder die Kelle in die Hand nehmen durften. Einige Mitglieder hatten die Wintermonate zur Aufarbeitung der Funde des letzten Jahres genutzt. Aber an jedem sonnigen Wochenendtag wurde das Kribbeln in den Fingern stärker, der Ruf der noch verborgenen Schichten "Entdeck mich!" und der Scherben "Find mich!" lauter. 

Endlich kam das Osterwochenende. Und bei allerbestem Grabungswetter ging es wieder in den Schnitt, dem Boden die Geheimnisse der Vorzeit zu entreißen. Die ersten viereinhalb Tage der diesjährigen Kampagne erbrachten viele neue Funde, und schon zeichnen sich auch weitere Strukturen ("Befunde") ab.

Doch Halt! Bevor es zur Sache geht, sollten für neue Leser dieser Seiten ein paar Vorbemerkungen gemacht werden.

"Lothars kleines Grabungstagebuch" berichtet über den Fortgang der archäologischen Ausgrabung am Burgwall Isingerode. Diese wird geleitet von Wolf-Dieter Steinmetz, dem Archäologen des Braunschweigischen Landesmuseums, und durchgeführt von ehrenamtlichen Helfern, den "Freunden der Archäologie im Braunschweiger Land". (→FABL-Webseite)
Isingerode liegt grob 30 Kilometer südlich des Braunschweiger Burglöwen (für mich der "Nullpunkt" für Entfernungsangaben im Braunschweiger Land), zwischen Schladen und Hornburg. Bis vor wenigen Jahrzehnten war hier eine in alten Karten fälschlich als "Schwedenschanze" bezeichnete  vorgeschichtliche Wallanlage sichtbar. Der Wall ist inzwischen abgetragen, aber im Boden haben sich Spuren von Siedlungen aus verschiedenen vorgeschichtlichen Epochen erhalten, die z. T. schwer befestigt waren. Die Befestigungen waren nicht aus Stein, sondern als Holz-Erde-Konstruktion errichtet, so dass man sich hier nicht so etwas wie eine mittelalterliche Burgruine vorstellen darf. Die bisherigen Funde datieren in zwei unterschiedliche Epochen. Zunächst war der Platz in der jüngeren Bronzezeit bis in die frühe Eisenzeit besiedelt (ca. 1200-700 v.Chr., Kultur der "Saalemündungsgruppe"), vielleicht mit einer Unterbrechung von einigen Generationen. Viel später, etwa in der Zeit um Christi Geburt, siedelten hier die alten Germanen. Was daran besonders spannend ist, werde ich später in Exkursen erläutern.
Die Texte auf diesen Seiten sind von einem interessierten Laien verfasst. Wohl habe ich viele Semester Geschichtswissenschaft studiert, nicht aber "Archäologie" oder "Ur- und Frühgeschichte". Beruflich bin ich in einem völlig anderen Bereich tätig (Fotodesign). Mein Wissen in diesem Gebiet ist angelesen und durch die ehrenamtliche Arbeit als Grabungshelfer seit 2005 angelernt. Archäologie ist meine Leidenschaft - ich bin kein Fachwissenschaftler. Für Hinweise auf inhaltliche Fehler bin ich dankbar. Interpretationen meinerseits mögen weiter gehen, als es strenge Fachwissenschaft erlaubt.

So vielfältig waren die Ereignisse des Wochenendes, dass ich sie nur knapp zusammenfassen möchte.

05. bis 09. April 2007

Der Schnitt:


Norden

Der Schnitt des vergangenen Jahres von 3mx30m (gelb=B) wurde um die neuen Flächen A (8mx5m) und C (3mx10m) erweitert. In der Fläche A soll überprüft werden, ob sich hier die verkohlte Balkenstruktur 1 fortsetzt, die nach aktueller Interpretation die Innenseite der Befestigungslinie darstellt. Nach dem Putzen des ersten Planums (25cm unter heutiger Oberfläche, direkt unter der abgeschobenen Pflugschicht) zeichnen sich bereits Holzkohlespuren ab, die diese Vermutung stützen.

Im Bereich 2 ist noch nicht der anstehende Boden erreicht. Beim Putzen der über den Winter von Laub und Sand zugewehten Fläche zeigte sich eine flächendeckende Brandschicht. - Damit liegen in diesem Bereich vier Brandschichten übereinander! (Dass die Isingeroder in den letzten 3000 Jahren das Feuermachen nicht verlernt haben, zeigte sich am Ostermontag: Das Osterfeuer brannte bis mittags.) Jüngste Funde von unterhalb dieser Brandschicht datieren dem ersten Augenschein nach relativ früh.

Im Bereich des inneren Grabens (3) wurde im vergangenen Jahr der Schnitt nur auf 1m50 Breite abgetieft, dabei bis in eine Tiefe von ca. 2m50. Die Sohle des Grabens war damit noch nicht erreicht. Überraschender Weise fand sich in den unteren Verfüllschichten - soweit datierbar - Keramik der späten vorrömischen Eisenzeit / frühen Kaiserzeit. Um dieses unerwartete Ergebnis zu überprüfen, wird die Grabenverfüllung nun auf voller Breite des Schnittes abgetragen.

Mit der neuen Fläche C soll der äußere Graben erfasst werden, der bei Anlage des Schnittes im vergangenen Jahr noch nicht bekannt war, und erst aus Luftbildauswertung und geophysikalischer Prospektion erschlossen wurde. Am Ende des ersten Wochenendes wurde hier ca. 50 cm unter der heutigen Oberfläche ein Materialwechsel im Boden sichtbar. Während hangaufwärts der helle, grobe Kies fundfrei blieb, steckte der dunklere Kies hangabwärts, wo sich der äußere Graben befinden müsste, voller Scherben.  

Werfen wir einen Blick auf die neue Fläche A:

↑ Ausschnitt aus der neuen Fläche A, Planum 1, ca. 25cm unter heutiger Oberfläche, frisch geputzt, Süden oben.

↑ Klar erkennbar zeichnen sich die neuzeitlichen Plugspuren ab. Damit haben wir exakt die Untergrenze der Pflugschicht erwischt. Dank an den Baggerführer von der Samtgemeinde Schladen für seine hervorragende Vorarbeit! Dank auch an Bernd Maul für die gute Zusammenarbeit beim Putzen. - Wir beide sind ein gut eingespieltes "Putzteufel"-Team.

↑Es scheint, dass sich hier tatsächlich die Befunde des vergangenen Jahres verlängern. Die Pfeile markieren die verkohlten Balken aus dem alten Schnitt.  Nach Nordosten (links unten) deuten sich differenzierte Befunde an, die ich hier nicht mit Hilfslinien markiert habe.

Die Funde:

Das Wochenende brachte mehrere hundert Funde. Dabei handelt es sich zum überwiegenden Teil um uncharakteristischen Keramikbruch, der uns vor allem anzeigt, dass wir uns in vorgeschichtlichen Kulturschichten bewegen. Eine Reihe von Stücken weist jedoch charakteristische Merkmale auf, die die Zuordnung zu einem bestimmten Gefäßtyp oder gar eine Datierung erlauben.

← Ein Fund, den Hubertus auf der neuen Fläche C (Bereich äußerer Graben) machte. Die Randscherbe ist mit einer Dellenleiste verziert, und unterhalb der Verzierung gerauht. Das Stück läßt sich sehr gut datieren. Es gehört in die frühe Eisenzeit, grob ins achte Jahrhundert vor Christus. Natürlich ist damit nicht gleich der äußere Graben datiert. Dazu müssen wir wohl noch einiges an Erde bewegen, denn als datierend  gilt, was unten drin steckt, nicht, was oben draufliegt.

→ Reinhard mit einer anderern großen Randscherbe aus Fläche A (Siedlung).

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→ Offizieller Zwischenbericht mit Stand vom Oktober 2006 auf der Webseite der "Freunde der Archäologie"

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