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18.02.2007: Ein wunderbarer Sonntag im Februar. Die Sonne scheint. Mit plus neun Grad liegt die Temperatur sechs Grad über dem langjährigen Jahresmittel - so behaupten die Wetterfrösche im Fernsehen. Es wäre eine Sünde, den Tag in der Stube zu verbringen. Zwar lockt in Braunschweig der "Schodüwel" als großes "kulturelles" Ereignis, aber mich zieht es doch eher hinaus in die Landschaft. Und die Familie kommt mit. Die Kinder also dürfen leider nicht auf die Jagd nach Bollchen gehen, sondern müssen mit Papa eine kleine archäologische Wanderung auf sich nehmen. (Vorweg: Es hat ihnen sehr gut gefallen, und Süßes gab es in Form von leckerem Kuchen im Anschluß bei Tante Marion in Erkerode.) |
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Archäologischer
Familienausflug
nach |
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Das Ziel sollte die Gegend um Schöningen sein. Hier steckt der Boden so voller Archäologie, dass wir uns auf wenige Punkte beschränken mussten. Fast kann man sagen: Die Ur- und Frühgeschichte des Braunschweiger Landes beginnt und endet in Schöningen. Sie beginnt mit den im Braunkohletagebau entdeckten
"ältesten
Speeren der Menschheit". Grob vierhunderttausend Jahre alt sollen die
Spuren des von Dr. Hartmut Thieme untersuchten
Wildpferdjägerlagers sein. Dies ist ein Fundplatz von
Weltrang, der unser Bild vom Frühmenschen durchaus
verändert hat. |
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Zunächst ging es zum "Informationspunkt" am
Rande des Tagebaus
zwischen Schöningen und Hötensleben. Wenn man so am
Rande des riesigen Loches steht, schießen einem verschiedene
Gedanken durch den Kopf. Als erstes ist man vielleicht einfach
beeindruckt. Als nächstes kommen einem große
Bedenken angesichts der großflächigen
Landschaftszerstörung. Dann aber wieder erinnert man sich
daran, dass der Strom daheim ja nicht einfach aus der Steckdose
kommt. |
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Den zweiten Teil des Tages wollten wir mit einem
"Klassiker" verbringen: |
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Beim "Goldenen Hirsch" haben wir es nicht mit Archäologie, sondern mit Geologie zu tun. Die Eiszeit hat den mächtigen Block den Elm hochgewälzt. Seinen Namen soll der Stein von einer Sage haben, die erzählt, ein König habe einst einen Schatz in Form eines goldenen Hirsches unter ihm verborgen. Leider ist diese Geschichte in Kriegers Elmsagen nur mit einem Satz erwähnt. (Wer ältere und ausführlichere Fassungen der Sage kennt, teile mir dies bitte mit.) Esoteriker glauben daran, dass sich hier "Kraftlinien" kreuzen. Auch gibt es ja bei jedem auffälligen Stein im Gelände die Vermutung, die alten Germanen hätten in seiner Umgebung "gekultet". Solche Ideen waren gerade in der Nazizeit populär. Aus dieser Zeit wird wohl auch der "im zweiten Jahre des Aufbruchs" gesetzte Gedenkstein mit einer blumigen Anrufung stammen. |
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Wie gesagt: Vorgeschichtliche Spuren im direkten Umfeld des Goldenen Hirsches sind nicht gefunden worden. Wenige Minuten vom Goldenen Hirschen entfernt
stößt man im Wald auf die 1959/60 und 74 durch
Ausgrabungen von H. A. Schultz
freigelegten Grundmauern der Elmsburg. Die Elmsagen berichten, dass
hier nachts der Geist eines Burgfräuleins umhergeht. Nun - es
war ja Tag, so dass wir der Dame nicht begegnen konnten... ;-) |
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Am besten erkennbar sind direkt am Weg die Grundmauern
der ehemaligen Kapelle. Nach weiteren Spuren der mittelalterlichen
Burg muss man ein wenig suchen. Während ich mit Jasmin,
meiner Großen, den inneren Wall durch den Wald verfolgte, um
einen Eindruck von den Dimensionen der Burg zu gewinnen, entdeckte
Julia zusammen mit ihrer Mama den Brunnen, und sie winkten uns
heran. |
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Westlich der Elmsburg liegt eine Reihe von Hügelgräbern. Krone zählte ihrer elf, Geschwinde kommt auf vierzehn. 1926 wurden einige der Hügel untersucht. In dem der Elmsburg am nächsten gelegenen fanden sich die Steineinfassungen von vier Gräbern. Diese wurden offen gelassen und mit einem Zaun umgeben, so dass man sie betrachten kann. Leider konnten hier keine eindeutig datierbaren Funde gemacht werden. Auch zu Befunden, die uns vielleicht eine Antwort auf so spannende Fragen geben könnten wie "Waren die Bestattungen gleichzeitig, oder erfolgten sie nacheinander?" findet sich in der einschlägigen Literatur nichts. Bei Krone findet sich eine Skizze zu den Gräbern, auch erwähnt er, dass einige Gräber leer (alt beraubt?) waren, andere "Skelette in hockender Stellung" enthielten. Allerdings wird nicht einmal erwähnt wie die Hocker ausgerichtet waren. |
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Das ist das Leid mit vielen Altgrabungen. Wenn wir die Gräber als "Zeugen der Vorzeit" betrachten wollen, stellt sich die Frage, wovon sie denn eigendlich zeugen, denn im Grunde liegen keine aussagekräftigen Befunde vor. Die Gräber werden vielfach in Überblicksdarstellungen der frühbronzezeitlichen "Aunjetitzer Kultur" zugeschrieben. Das ist eine reine Vermutung. Entsprechend vorsichtig äußert sich Geschwinde. Zu gerne hätte ich im Wald noch nach den weiteren Hügeln gesucht. Vom Weg aus konnte ich nichts sicher erkennen. Aber die Zeit war schon fortgeschritten, und die Kinder errinnerten daran, dass wir noch zum Kaffee eingeladen waren. Skizze der Grabkammern bei KRONE, S. 74 → |
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Also: Irgendwann sollte sich nochmals jemand systematisch mit den Hügelgräber und dem Wall beschäftigen. So bald wird das allerdings kaum der Fall sein. Zwar gibt es im Landkreis Helmstedt eine Kreisarchäologin, aber die Gegend ist ja nicht gerade arm an Bodendenkmälern. In jedem Fall aber gilt: Schön war's in Schöningen! |
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S. 95-103 (Braunkohletagebau) und S. 82f (Goldener Hirsch/Elmsburg) im Tagebau Schöningen, in Fansa/Both/Haßmann: ArchäologieLandNiedersachsen, (WBG) Darmstadt 2004, S. 294-299. S. 72ff (Hügelgräber); S.126 (Elmsburg) S. 155f (Elmsburg) Stuttgart 1997. S. 178-188 (R.Maier:"Braunkohlearchäologie"); S.273-276 (H.-W. Heine: Elmsburg); S.276f (M.Geschwinde: Hügelgräber) S.9f und 22 (Elmsburg als "Werla") im Elm, (Sonderdruck aus Gustav Kossinna (Hrsg.): Mannus – Zeitschrift für Vorgeschichte V. Ergänzungsband, S. 197-239.) Leipzig 1927. S.208(=12) (Elmsburg) |
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Und natürlich kann man sich auch die einschlägigen Artikel bei Wiki ansehen... |
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